Landstreifen – Der ländliche Raum im Film

Güllegeruch, Funkloch und abends tote Hose: Klischees über das Leben auf dem Land gibt es zuhauf. Das gemeinsam von der Bundeszentrale für politische Bildung und VISION KINO konzipierte Filmprogramm wirft einen umfassenderen Blick auf den ländlichen Raum. Die Filme thematisieren aktuelle Phänomene und Herausforderungen, die mit Strukturwandel in Politik und Wirtschaft einhergehen. Sie zeigen aber auch das pralle Leben außerhalb der Großstädte und thematisieren (Wunsch-)Vorstellungen, in denen die Sehnsucht nach dem Ländlichen oftmals auch Ausdruck einer sich zunehmend urbanisierenden Welt ist. In diesem Sinne blickt die Filmauswahl auf den ländlichen Raum als Lebensraum, Naturraum, Wirtschaftsraum und als kulturelles Konstrukt und gibt dabei Einblicke in eine Vielfalt an Landschaften, Mundarten und Lebensumständen.

Hände weg von Mississippi
Die Sommerferien auf dem Land werden für die zehnjährige Emma ein großes Abenteuer, wenn es darum geht, die alte Stute Mississippi vor dem Schlachter zu retten und den Verkauf des Tante Emma-Ladens an eine große Discounter-Kette zu verhindern. Die idealisierte Landidylle mit einer intakten, farbenfrohen Natur und einer lebhaft, skurrilen Dorfgemeinschaft bildet den Hintergrund für eine slapstickhafte Komödie.
 
Flussfahrt mit Huhn
"Lieber Opa, wir sind in einem geheimen Auftrag unterwegs: Wir erkunden einen neuen Zugang zum Meer“ einen Zettel mit diesen Worten hinterlässt Johanna auf einem Brief an ihrem Opa. Sie ist mit ihrem Cousin Robert, den Nachbarsjungen Harald und Alex und einem Huhn (zum Schutz vor dem Klabautermann) auf einem Segelboot unterwegs Richtung Meer. Opa Ewald bleibt nichts anderes übrig, als die ihm über die Ferien anvertrauten Schützlinge schnellstens wieder einzufangen, bevor die Eltern etwas von ihrem Verschwinden mitbekommen.
 
Herr Wichmann aus der dritten Reihe
Andreas Dresen portraitiert einen CDU-Landtagsabgeordneten aus der Brandenburger Provinz und zeigt ihn in seinem politischen Alltagshandeln. Dabei werden beispielhaft Probleme von Menschen im ländlichen Raum verhandelt: stillgelegte Bahnverbindungen, Fahrradwege, Umweltschutz versus Arbeitsplätze. Ein Film, der politisches Handeln für und aus dem ländlichen Raum thematisiert und ein Plädoyer gegen Politikverdrossenheit und für demokratisches Zusammenleben ist.
 
…verdammt, ich bin erwachsen
In dem 1974 entstandenen DEFA-Jugendfilm von Rolf Losansky hat sich der 15-jährige Kurbel ein Paradies erschaffen: An einem kleinen See am Rande eines Lausitzer Dorfs kann er die Natur beobachten, seinen Gedanken nachhängen und sich über das Erwachsenwerden Gedanken machen. Doch dann löst er aus Leichtsinn einen Waldbrand aus - vor dessen Folgen möchte er sich jedoch aus der Verantwortung stehlen. Nicht zuletzt rückt der Braunkohletagebau mit seinen riesigen Baggern immer näher, der Kurbels Paradies unwiderruflich zerstören wird. Eine zeitlose Geschichte über Identitätsfindung, Familienbeziehungen und Dorfleben, eingebettet in eine Zeit großer gesellschaftlicher und landschafts-ökologischer Veränderungen in der DDR.
 
Sauacker
Der Dokumentarfilm spürt einer kleinbäuerlichen Kultur nach, die durch die Industrialisierung der Landwirtschaft im Verschwinden begriffen ist. „Sauacker“ zeigt die Konflikte, die der Generationenwechsel auf einem schwäbischen Bauernhof mit sich bringt und überzeugt mit ebenso dichter Gegenwarts- wie poetisierender Naturbetrachtung.
 
Wildes Herz
Der Dokumentarfilm begleitet die Band „Feine Sahne Fischfilet“ auf ihrer Tour zu ihrem Album „Bleiben oder gehen“ - ein programmatischer Titel im Angesicht mangelnder Zukunftsperspektiven und bröckelnden zivilgesellschaftlichen Zusammenhalts in strukturarmen Regionen. Mit der Tour durch Mecklenburg-Vorpommern will die Band im Vorfeld der Landtagswahlen Zusammenhalt gegen Rechtsextremismus und Rassismus stärken. Der Film zeigt dabei die Bedeutung von zivilem Engagement jenseits urbaner subkultureller Schutzräume.
 
Wackersdorf
Anfang der 1980er Jahre wird im strukturschwachen Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz eine zentrale Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernkraftwerken geplant. Während zunächst die Hoffnung auf Arbeitsplätze vorherrscht, formiert sich in Politik und Bevölkerung ein starker politischer Widerstand, nachdem Details über die möglichen Gefahren des Projekts bekannt werden. „Wackersdorf“ ist ein Heimatfilm der etwas anderen Art, in der eine von der Landespolitik vernachlässigte und kaum wahrgenommene Region zum Spielball wirtschafts- und machtpolitischer Interessen wird.


 

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